S T E F A N   G E O R G E :   DER VERWUNSCHENE GARTEN


Erster Druck der Hagedorn-Presse, 1992.

Eine Auswahl von Gedichten mit zwölf Holzschnitten / Holzritzungen.

Handpressendruck von den Originalholzstöcken auf säurefreies Zerkall-Bütten-Werkdruckpapier.

Handsatz der Gedichte aus der 28 Punkt Garamond-Antiqua.

32 Seiten. Format: 35 x 41 cm. Pappband.

Diplomarbeit, realisiert in den Grafischen Werkstätten der Hochschule für Bildende Künste Dresden.

Auflage: 30 signierte und nummerierte Exemplare.

Preis: 980 €.

 

 

Ich darf so lange nicht am tore lehnen

Zum garten durch das gitter schaun

Ich höre einer flöte fernes sehnen

Im schwarzen lorbeer lacht ein faun.  

 

Stefan George

 

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Sie werden fragen, warum gerade George, dieser Symbolist der deutschen Neuromantik mich zur Gestaltung angeregt hat und weshalb und überhaupt zu einem Buche?! Seine Gedichte in formstreng artistischer Sprache, die festliche Schönheit geben und Urbilder des Seins sind, faszinierten mich. Gedichte der Gärten, Parke, Weiher, Alleen, des Wechsels der Jahreszeiten, der Abschiede, des Verzichts, der Einsamkeiten. Die Verinnerlichung der Reaktion auf eine dem Menschen zutiefst als feindlich empfundene Welt bringt Werte von großer, unverwechselbarer Aufrichtigkeit in Wort und Bild: des flüchtigen Glücks, der kühlen Melancholie, der verhaltenen Trauer. Für George, der aus Ländlich-Bäuerlichem herstammt, ist Natur eine überlegene, gar eine dämonische Macht, mit welcher der Mensch im Widerstreit liegt; gerade auch jener, welcher sich von ihr entfernt hat und in den Städten lebt. Es sind vor allem die liedhaften Gedichte, die mich in ihrer poetisch formstrengen Vollkommenheit und ihrem geheimnisvollem Glanz der Sprache zu Holzschnitten und Holzritzungen anregten. Gerade auch, weil das Holz eine gewisse Allgemeingültigkeit des Ausdrucks erzwingt und mich als Materie inspiriert. Seit einigen Jahren befasse ich mich mit dem Holzschnitt ... Viele Blätter und Farbvarianten entstanden. Das Holz als Material, das darauf zeichnen mit Kreide und der Vorgang des Schneidens und Ritzens ... wurde zu meinem Ausdrucksmittel. Ich verwendete die unterschiedlichsten Bretter: glatte, runde, auch holzwurmstichige. Alle möglichen Arten fanden für mein Buch Verwendung, wodurch natürlich Schwierigkeiten beim Auflagendruck entstanden. Ich habe ausschließlich zu Gedichten gearbeitet, die den Garten beschreiben. Es ist der Garten meiner Kindheit, in welchem ich gespielt habe, den ich in seinem Wandel durch die Jahreszeiten immer wieder neu erleben konnte: in seinen Farben, Formen und Strukturen, den vielfältigsten Pflanzen, Bäumen, Wiesen, Beeten und Wegen, den Treppen und alten Gittern, zudem mit einer reichen Tierwelt ausgestattet. Dieser Garten wurde mir zur Gestaltungswelt. Aquarelle vor der Natur entstanden, Tuschzeichnungen und Skizzen, dann eine ganze Reihe von Holzschnitten. Zwölf fanden im Buch Verwendung. Als ehemals gelernte Schriftsetzerin und durch meinen frühzeitigen Kontakt zur Buchkunst ist der letzte Schritt, Wort und Bild in einem Buche zueinander zu bringen eigentlich natürlich gewesen. Ich empfand meine Arbeit am Buch ... als geradezu ideale Möglichkeit der Verbindung meines inhaltlichen und künstlerischen Anliegens und meiner handwerklichen Fertigkeiten.

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Cornelia Schuster-Kaiser

(1992)